Aus vielerlei in anderen Beiträgen schon genannten Gründen war ich gezwungen, mir Gedanken zu machen um die Modernisierung der Heizung, weil die einfach nicht mehr funktionierte.
Serienmäßig ist eine Eberspächer Standheizung D3LP verbaut gewesen, diese ließ sich schlussendlich nur noch durch Tausch des Steuergerätes wieder zum Leben erwecken und da meine Heizung noch die Wellenlinie als Prüfzeichen hatte, wäre ein Brennkammertausch noch dazu gekommen, alles in Allem eine knapp 4 stellige Summe.
Ich habe mir das mehrere Tage gut überlegt und habe mich dann für eine komplette Neuanschaffung entschieden.
Durch eine fast 20 Jahre alte gute Erfahrung mit einer Warmwasserstandheizung Thermo Top S der Firma Webasto habe ich mich nun auch wieder für diesen Hersteller entschieden und die Air Top EVO 3900 in der Reisemobilversion im Paket mit dem Thermo Call TC3 geordert.
Diese Heizung in der Reisemobilversion unterscheidet sich von den Standardheizungen unter anderem durch die Lieferung eines speziellen Einbaupaketes.
Unter anderem eine spezifische Dosierpumpe für Reisemobile samt spezieller Halterung, Brennluftansaug- und Abgasschalldämpfer, externer Temperatursensor für Reisemobilanwendungen.
Die speziell von Webasto für Reisemobile gestalteten Heizgeräte sind auch anders programmiert und insgesamt auf leisen Betrieb ausgelegt.
Der Abschaltmechanismus ist in allen Heizgeräten für Reisemobile deaktiviert.
Ein im Heizgerät integrierter Höhensensor garantiert eine optimale Warmeabgabe in hohen Berglagen durch eine automatische Betriebsanpassung des Heizgerätes in grossen Höhen mit geringem Luftdruck und geringem Sauerstoffgehalt.
Mein Bericht stellt keine Einbauanweisung dar!
Denn den Einbau verlangt die Firma Webasto von geschultem Personal.
Eine Nichtbeachtung führt zum Haftungsausschluss seitens Webasto.
Außerdem hat es das Erlöschen der Typgenehmigung des Heizgerätes und damit der Allgemeinen Betriebserlaubnis sowie der EG-Typgenehmigung zur Folge.
Diskussionsfrei müssen beim Einbau einige Regeln beachtet werden um die Verletzung von Personen zu verhindern oder gar das ganze Auto abzufackeln.
Wie nachfolgend beschrieben funktioniert alles einwandfrei, trotzdem erfolgt jeglicher Nachbau auf eigene Verantwortung und Risiko.
Jeder sollte wissen was er tut!
Nach Vergleich der Abmaße zwischen der Eberspächer Standheizung D3LP und der Webasto Air Top EVO 3900 stellte ich schnell fest, das könnte passen.
Die Abmaße sind zu 99% identisch, die Abstände und Durchmesser unterhalb für die Verbrennungsluft, Abgas und Förderpumpeneinlaß sind auch die gleichen.
Selbiges gilt für die Durchmesser vom Warmluft-Eingang und Warmluft-Ausgang!
Die Westfalia Zentralelektronik läßt sich nicht mehr nutzen, ein extra Bedienteil muß verbaut werden, das EVO Bedienelement MC 04 war vorteilhaft im Lieferumfang schon dabei.
In dem Zusammenhang stellte ich fest, dass ich meine alte GSM Fernsteuerung auch nicht mehr nutzen kann.
Da konnte ich mit mit einem einfachen (analogen) +12V Signal die alte vorher eingebaute Eberspächer Standheizung D3LP und auch den zur vollwertigen Standheizung umgebauten Zuheizer im Motorraum mit einem Anruf per Mobiltelefon einschalten.
Das funktioniert so nicht mehr, denn die Webasto kommuniziert mit ihrer Peripherie mit Digitalsignalen über einen CAN-BUS.
Webasto nennt das W-Bus gesteuert!
Sicherlich hätte ich durch Einbau eines Converters da eine Verbindung zwischen analogen und digitalen Signalen schaffen können!
Aber die Bedienung über eine App mit dem Smartphone hört sich ja auch ganz schick an und so brauchte ich dann ja noch den Webasto Thermo Call TC3.
Umgebaut bzw. aufgebohrt und aufgefeilt werden brauchte nur die Seitenklappe vom Warmlufteinlass des Einbaukastens aus Edelstahl, wo die Heizung ja unterflur drin hängt.
Das heißt es mußte einfach nur die Öffnung vergrößert werden, weil die Webasto da im Außengehäuse eine eckige Form hat.
Alles andere paßt, sogar der Abgasschalldämpfer mit dem 90 Grad Winkel und dem Auspuffrohr kann ohne Änderung übernommen werden.
Der Schalldämpfer ist identisch und unterscheidet sich nur durch den Herstelleraufdruck.
Ein Ansaugschalldämpfer wurde zusätzlich angebaut wie auf den Bildern zu erkennen ist.
Die alte Dosierpumpe wird gegen die neue getauscht, der 2-adrige Kabelbaum wird erneuert.
Die im Lieferumfang vorhandenen 90 Grad Bögen am Ein-und Ausgang der Dosierpumpe sollte man unbedingt verbauen!
Der Einbau dieser 90 Grad Bögen entkoppelt die Dosierpumpe schwingungsmäßig von der Treibstoffleitung, die das Klopfen der Pumpe per Körperschall auf die Karosserie überträgt.
Die Dosierpumpe ist dadurch fast nicht zu spüren und zu hören!
Bevor man die Spritleitung, welche von der Dosierpumpe kommt, an der Heizung anschließt, sollte man diese Spritleitung entlüften.
Die Dosierpumpe manuell mit 12 Volt antakten, die Spritleitung in ein Abtropfgefäß halten und solange takten bis der Diesel blasenfrei rauskommt, dann anschließen am Diesel-Einlaß der Heizung unten(Förderpumpeneinlaß).
Macht man das nicht, so kann es passieren, dass der Probelauf der Heizung schon mal mit der Ausgabe eines Fehlers beginnt, weil statt Diesel nur Luft gefördert wird.
Ebenso wird der alte Kabelbaum der Eberspächer rausgeschmissen, der neue Kabelbaum geht durch die Verkleidung der B-Säule bis zur Sonnenblende vom Fahrer.
Das Bedienelement EVO MC ,,versteckt'' sich nun hinter der Sonnenblende, ist gut erreichbar, stört nicht den ,,wohnlichen Gesamteindruck''.
Die Sonnenblende ist in ihrer Funktion keinesfalls eingeschränkt, klappt auch weit genug nach oben ein.
Der kleine Kasten vom Thermo Call TC3 ist auch in dem Hohlraum des Fahrerhaushimmels mit drin, die GSM Antenne oben rechts an der Windschutzscheibe.
Der Lieferumfang des TC3 beinhaltet einen Taster, der verbaut werden muss. Der Taster dient zum Einen zur Bedienung des Heizgerätes und zum Anderen der Anzeige des aktuellen Betriebszustands.
Mit dem Taster kann das Heizgerät manuell ein- bzw. ausgeschaltet werden.
Der Taster ist im Bereich des Hochdachbettes mit eingebaut, wo man dann morgens total verschlafen draufdrücken kann um den Cooki vorzuheizen, falls es morgens mal zu ungemütlich ist.
Den externer Temperatursensor habe ich an die gleiche Stelle gebaut wie den Originalen, welchen man aus der Blende ausclipsen kann.
Der original verlegte 2-adrige Kabelbaum vom externen Westfalia-Temperatursensor kann weiter genutzt werden.
Man trennt diesen ab an der Rückseite der Westfalia-Zentralelektrik, es sind 2 Leitungen in der Kabelfarbe weiß/schwarz an Pin 19 und Pin 20.
12 Volt Plus und Minus für die Heizung selbst holt man sich im Inneren des Sitzkastens, der natürlich freigelegt werden muß durch Abbau des Fahrersitzes.
Dort liegt eine Steckverbindung (von der man auch den alten Kabelbaum abzieht), welche von der Heizungsabsicherung Sicherungskasten unter der Besteckschublade kommt.
Eine Halterung mit 2 Sicherungen, welche auch im Lieferumfang der Webasto ist wird oberhalb des Sicherungshalters im Sitzkasten zusätzlich angebaut.
Der erste Probelauf bleibt unvergessen!
Wie gespannt saß ich im Innenraum und achtete auf das Klickern der Dosierpumpe beim Start der Heizung, man hörte aber nichts und ein ungutes Gefühl breitete sich aus!
Jetzt kommt gleich eine Fehlermeldung, angezeigt durch Blinkimpulse am Bedienteil, dachte ich!

Doch die kalte Luft, welche durch die Düsen strömte (Nachlauf der Heizung dachte ich), fing plötzlich an sich zu erwärmen.

Ich stürzte erst einmal erleichtert raus unter das Auto und lauschte.
Man hörte ein helles Ticken der Dosierpumpe, so als wenn man sich eine mechanische Arnbanduhr an das Ohr hält, total leise!
Ich bin schwer begeistert!
Zwischen dieser und der vorher verbauten Eberspächer D3LP liegen ,,Dimensionen''.
Von außen hört man nur einen leise surrenden Gebläsemotor, das bollernde Verbrennungsgeräusch der Eberspächer D3LP hat die Webasto überhaupt nicht.
Das Innengeräusch beschränkt sich auf das Durchströmgeräusch der warmen Luft durch die Düsen, die Dosierpumpe ist im Innenraum überhaupt nicht wahrnehmbar.
Nutzt man den Eco Energiesparmodus vom Bedienelement EVO MC, wird die Drehzahl vom Gebläsemotor reduziert und das Geräuschniveau beschränkt sich auf das dadurch verminderte Durchströmgeräusch der warmen Luft durch die Düsen und es ist vom Heizbetrieb kaum noch etwas zu hören.
Wirklich sehr angenehm!
Der Umbauaufwand hat sich gelohnt!









Gruß Jürgen
Weitere Bilder folgen!